Galerie

Gomringer
Gomringer
Kabelsalat
Kabelsalat
Nachtschatten 9
Nachtschatten 9
Falko Köhler
Falko Köhler

Wer ist online?

Aktuell 33 Gäste online

Besucherzähler

Die Webseite des ERA e.V. hatte bisher 1374656 Besucher.
eragrossfass.gif
ALLE |0-9 |A |B |C |D |E |F |G |H |I |J |K |L |M |N |O |P |Q |R |S |T |U |V |W |X |Y |Z

Liste arrow Vita arrow Viten

Deprijck, Lucien Drucken

Lucien Deprijck
Lucien Deprijck
Geboren 1960 in Köln und flämischer Herkunft. Mit 5: Gute-Nacht-Geschichten für die jüngeren Cousins. Weisheitszähne mit 13, folglich erster Romanversuch. Seitdem schreibend. Studium in Köln: Germanistik, Anglistik, Philosophie. Nach der Maxime "Wie verhindere ich eine Karriere?" Tätigkeiten in immer neuen Berufen: Sprachlehrer, Bewerbungstrainer, Redakteur, Pädagogischer Betreuer und Übersetzer. Romane, Erzählungen, Essays, Lyrik. Veröffentlichungen in Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen. Roman "Solitair" 1999. "Besuch bei Stephen Crane" (Erzählungen) 2005, "Die Wälder der Verschollenen" - Roman (van Aaken-Verlag, Köln 2007). Verheiratet, zwei Kinder. Wohnt mit Traumfrau und Sohn in Köln. Mitglied der Autorenwerkstatt Köln und im Literaturkreis ERA e.V.

E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, Sie müssen Javascript aktivieren, damit Sie es sehen können
Homepage: www.lucien-deprijck.de

 


Texte:

  • Isenburg-Kalottke
    Eines Tages ging Isenburg-Kalottke zum Arzt. Wegen seiner Rückenschmerzen. Er wollte sich mal so richtig durchchecken lassen. Röntgen, Ultraschall, EKG, Blut- und Urinproben. Mit allem drum und dran.
    Einige Tage später wurde er schließlich in die Praxis bestellt und durfte im Besprechungszimmer an einem Schreibtisch Platz nehmen.
    „Und?“ fragte er.
    „Tja“, sagte der Arzt. „Das Ganze ist mir ein Rätsel.“
    „So?“ fragte Isenburg-Kalottke.
    „Ja. Eigentlich... dürften Sie gar nicht mehr leben. Sie müßten im Grunde längst tot sein.“
    Isenburg-Kalottke war baff.
    „So schlimm?“ fragte er.
    „Sie können überhaupt nicht mehr leben. Alle Ergebnisse deuten zweifelsfrei darauf hin, daß sie schon vor Wochen gestorben sind.“
    „Aber das müßte ich doch gemerkt haben.“
    „Es kommt manchmal ganz plötzlich. Ehe man sich's versieht... man bekommt es selber gar nicht mit.“
    „So ist das also“, murmelte Isenburg-Kalottke, ziemlich konsterniert. Er konnte es noch nicht fassen.
    „Aber in zwei Wochen beginnt mein Urlaub. Kann ich den noch antreten?“
    Der Arzt zuckte mit den Schultern. „Tut mir leid“, sagte er.
    „Und jetzt?“
    „Ich kann Ihnen den Totenschein ausstellen. Den können Sie dann gleich mitnehmen.“
    „Ja, ja“, sagte Isenburg-Kalottke. „Das wird wohl das Beste sein.“
    Er schüttelte den Kopf.
    „Wie soll ich das nur meiner Frau beibringen?“
    „Tja“, sagte der Doktor. „Das trifft uns alle mal. So ist das Leben.“
    „Und meine Rückenschmerzen?“
    „Die haben sich somit ja auch erledigt.“
    „Ja dann“, sagte Isenburg-Kalottke, „vielen Dank, Herr Doktor.“
    Nachdem Isenburg-Kalottke fort war, stand der Arzt noch lange am Fenster und blickte hinaus in den sonnigen Frühlingstag. Es war so ungerecht.
    Diese Mitteilungen, dachte er. Wie es ihnen beibringen? Das war immer das Schlimmste.
 
Literaturkreis ERA e.V. 2007-2009