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 Lucien Deprijck Geboren 1960 in Köln und flämischer Herkunft. Mit 5:
Gute-Nacht-Geschichten für die jüngeren Cousins. Weisheitszähne mit 13,
folglich erster Romanversuch. Seitdem schreibend. Studium in Köln:
Germanistik, Anglistik, Philosophie. Nach der Maxime "Wie verhindere
ich eine Karriere?" Tätigkeiten in immer neuen Berufen: Sprachlehrer,
Bewerbungstrainer, Redakteur, Pädagogischer Betreuer und Übersetzer.
Romane, Erzählungen, Essays, Lyrik. Veröffentlichungen in Zeitungen,
Zeitschriften und Verlagen. Roman "Solitair" 1999. "Besuch bei Stephen
Crane" (Erzählungen) 2005, "Die Wälder der Verschollenen" - Roman (van Aaken-Verlag, Köln 2007). Verheiratet, zwei Kinder. Wohnt mit
Traumfrau und Sohn in Köln. Mitglied der Autorenwerkstatt Köln und im
Literaturkreis ERA e.V.
E-Mail:
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Homepage: www.lucien-deprijck.de
Texte:
- Isenburg-Kalottke
Eines Tages ging Isenburg-Kalottke zum Arzt. Wegen seiner
Rückenschmerzen. Er wollte sich mal so richtig durchchecken lassen.
Röntgen, Ultraschall, EKG, Blut- und Urinproben. Mit allem drum und
dran.
Einige Tage später wurde er schließlich in die Praxis
bestellt und durfte im Besprechungszimmer an einem Schreibtisch Platz
nehmen.
„Und?“ fragte er.
„Tja“, sagte der Arzt. „Das Ganze ist mir ein Rätsel.“
„So?“ fragte Isenburg-Kalottke.
„Ja. Eigentlich... dürften Sie gar nicht mehr leben. Sie müßten im Grunde längst tot sein.“
Isenburg-Kalottke war baff.
„So schlimm?“ fragte er.
„Sie können überhaupt nicht mehr leben. Alle Ergebnisse deuten zweifelsfrei darauf hin, daß sie schon vor Wochen gestorben sind.“
„Aber das müßte ich doch gemerkt haben.“
„Es kommt manchmal ganz plötzlich. Ehe man sich's versieht... man bekommt es selber gar nicht mit.“
„So ist das also“, murmelte Isenburg-Kalottke, ziemlich konsterniert. Er konnte es noch nicht fassen.
„Aber in zwei Wochen beginnt mein Urlaub. Kann ich den noch antreten?“
Der Arzt zuckte mit den Schultern. „Tut mir leid“, sagte er.
„Und jetzt?“
„Ich kann Ihnen den Totenschein ausstellen. Den können Sie dann gleich mitnehmen.“
„Ja, ja“, sagte Isenburg-Kalottke. „Das wird wohl das Beste sein.“
Er schüttelte den Kopf.
„Wie soll ich das nur meiner Frau beibringen?“
„Tja“, sagte der Doktor. „Das trifft uns alle mal. So ist das Leben.“
„Und meine Rückenschmerzen?“
„Die haben sich somit ja auch erledigt.“
„Ja dann“, sagte Isenburg-Kalottke, „vielen Dank, Herr Doktor.“
Nachdem Isenburg-Kalottke fort war, stand der Arzt noch lange am
Fenster und blickte hinaus in den sonnigen Frühlingstag. Es war so
ungerecht.
Diese Mitteilungen, dachte er. Wie es ihnen beibringen? Das war immer das Schlimmste.
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