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 Marieluise Stürzenacker
geboren 1933 in Kleve, lebt in Mettmann. Schreibt Lyrik und Prosa. Veröffentlichungen
in verschiedenen Anthologien. Lesungen. Mitglied im Literaturkreis ERA
e.V.
Texte:
- Ohn'macht
(Auszug) entnommen „Federmohn",
1997
Das Geräusch einer Motorsäge schreckt
sie, als sie – früh ist es noch – ihre Morgenzeitung liest. Ein Blick
aus dem Fenster zeigt ihr ein Hubgerät, das wie eine große Krake seine
langen Beine weit ausgestreckt in den Boden gekrallt hat. Der Korb ist
hochgefahren worden hin an die Birke im Nachbargarten. Ein Mann mit feuerrotem
Haar, das zu einem Zopf gebunden ist, steht mit einer Säge bewaffnet darin
und sägt dem Baum von unten nach oben die Äste ab. Der untere Stamm ist
schon kahl, und nur die oberen Äste und Zweige recken sich noch gegen
den Himmel, als wollten sie sich dem tödlichen Tun entziehen.
Was sie dann tut, geschieht schneller
noch, als sie denken kann. Sie wirft sich eine Jacke über, es ist ein
kühler Märzmorgen, sonnig aber gefährlich kalt. Sie rennt aus ihrem oberen
Stockwerk die Treppe hinunter zu den Männern auf der Straße...
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