|
Wie Dichtung die Welt verändert |
|
|
von Wolfgang Huber
|
(Auszug ) entnommen „Federlese", 1995
„Moderne Dichtung", klagte der radikale
Poet, „ist nicht mehr als ein autoerotisches Verbaltonicum für Schreiber
und Leser (Nebenwirkungen: Libidosublimierung, Über-Ich-Sedierung). Wenn
Dichtung mehr sein, wenn sie die Welt verändern will, muß sie sich zuallererst
selbst abschaffen."
Dann rahmte sich der radikale Dichter, der keiner mehr sein wollte, seine
Spruchweisheit, die keine sein sollte, ein und hing sie über seinen Schreibtisch.
Als 20 Jahre später die Erschütterung der zehntausendsten U-Bahn-Fahrt
Hauptbahnhof-Friedensplatz den Nagel aus der Wand und in den Lüftungsschacht
des darunterstehenden Computers fallen ließ, verursachte dieser einen
Kurzschluß in der CONFIG.SYS der Zentraleinheit, der sich über Ultra-Datex
bis in die europaweite Energiezentrale fortpflanzte. Im nächsten Moment
gingen in ganz Europa die Lichter aus.
|